Der Name Waldhorn leitet sich vom späten Jagdhorn des 17. Jhd.s ab. Die heute verwendeten Hörner sind üblicherweise F/B Hörner.

In anderen Ländern spricht man vom
 
GB, USA:                     french horn
Italien:                           corno
Frankreich:                    cor
Dänemark, Schweden:   horn, waldhorn
Niederlande:                  hoorn, waldhoorn
Spanien:                        cuerno, trompa
Portugal:                        trompa
Tschechien:                    lesní
Polen:                            rog
Ungarn:                         vadaszkürt
Weltkarte

 
 

Die bewegte Geschichte des Horns:


Der Anfang
Die Geburtsstunde...

Lange bevor die Menschen begannen, die Jahre zu zählen, muß der erste Hornton zur Welt gekommen sein. Dies geschah vermutlich in noch grauer Vorzeit im Orient...
Sicher fiel damals einem unserer Vorväter eine Art Rohr -wie es die Natur bereithielt- in die Hände. Es war vielleicht ein Schneckengehäuse, der Röhrenknochen eines erlegten Tiers, der hohle Stengel einer Pflanze oder ein ausgehöhltes, an der Spitze abgebrochenes Horn eines Büffels. Dieser Mensch mag das Rohr an die Lippen gesetzt haben, um daraus das verbliebene Wasser, Reste von Sand oder Mark herauszupusten. Und siehe (besser höre) da...
Die ältesten als Blasinstrumente verwendeten Schneckenhörner dürften assyrischen Ursprungs sein oder der Induskultur entstammen. Man vermutet ihren wahrscheinlich kultischen Gebrauch um 2000 - 1500 vor Christus. Das altjüdische Schofar ist beispielsweise bereits aus der Bibel bekannt. Es ist ein mundstückloses Widderhorn, das auch heute noch im jüdischen Ritus am Neumondstag geblasen wird.
Im 7. Jhd. vor Christus kamen vermutlich aus Südwestkleinasien die Etrusker nach Mittelitalien und wurden in der Nähe Roms ansässig,. Sie brachten ihre etruskischen Hörner ins Land. Diese wurden aus Terrakotta gefertigt und besaßen eine zum Halbkreis gebogene Form, die sich noch bei zahlreichen (jedoch metallenen) Jagdhörnern des 17. und 18. Jhd. in Frankreich und Deutschland wiederfindet.
Als sich bei den Römern das Militär-Signalwesen entwickelte, kam das von den Etruskern übernommene CORNU zum Einsatz. Sehr schnell hatten die Römer verstanden, es samt seiner typischen Griffstange aus Metall zu fertigen. In Gebrauch waren ferner TUBAE und tieftönige CORNUA. Am imposantesten war jedoch die mächtige BUCCINA: Sie war ein Horn von über drei Meter Länge, zum Kreis gebogen und ursprünglich das Signalhorn der Seefahrer und Hirten. Später war sie auch bei Zirkusspielen und Gladiatorenkämpfen zu hören.
Den Buccinen vergleichbar, jedoch unabhängig von ihnen sind die bronzezeitlichen LUREN. Man fand sie bei Ausgrabungen im altgermanischen Siedlungsbereich. Im Moor, in dem sie vor vielleicht zwei oder drei Jahrtausenden versanken, wurden sie so gut erhalten, daß sie beinahe unbeschädigt ans Tageslicht gelangten. Ihre handwerkliche Herstellung ist bemerkenswert: Das erstaunlich dünnwandige, sanft konisch verlaufende Rohr ist aus Bronze in mehreren Stücken gegossen. Die Einzelteile wurden anschließend kunstvoll aneinandergefügt. Das Mundstück gleicht gleicht fast genau dem einer heutigen Tenorposaune.
Die handwerkliche Technik, solche dünnwandigen und konisch verlaufenden Instrumente aus Metall zu formen und zu gießen, ging mit den Völkerwanderungen verloren. Es mußte im Mittelalter erst wieder neu und mühsam erlernt werden.
 
 
 
Mittelalter
Das Horn zur Übermittlung von Botschaften... 

In den Städten dienten Hörner den Turm- und Nachtwächtern zum Abblasen der Stunden und um Gefahren wie z. B. Brände zu signalisieren. Auf dem Land riefen die Gemeindehirten mit Hörnern frühmorgens das Vieh aus den Ställen herbei, um es auf die Weideplätze zu treiben.
Bäcker gaben v.a. in den Niederlanden mit ihren Bäckerhörnern Signale, um ihren Kunden anzuzeigen, daß Backwaren ofenfrisch zu haben waren oder daß der Ofen angeheizt war, damit Frauen den daheim zubereiteten Teig zum Backen bringen konnten.
Durch Hörnerblasen gaben v.a. in Schwaben Metzgergesellen bekannt, daß sie mit ihren flinken Fleischerwagen bereit waren, auf ihrer Fahrt von Ort zu Ort Briefe mitzunehmen. Dies war die beliebt gewordene Metzgerpost - die Vorfahren der späteren Postillione.
sie werden anfangs alle einfache Rinderhörner geblasen haben.

Einige hölzerne Horninstrumente waren damaligen Metallhörnern schon weit überlegen. In Mitteleuropa muß eine Bastlernatur unter den Hirten auf den Gedanken gekommen sein, ein Rohr aus einem gewachsenen Bäumchen zu machen, um es zum Blasen zu verwenden. Schon 1555 erwähnte der Zürcher Gelehrte Gesner das Alphorn. Sowohl Hirten- als auch Alphorn wurden meist aus Tannen hergestellt, die der Länge nach halbiert und ausgehöhlt wurden. Anschließend fügte man sie wieder zusammen und verleimte sie gründlich. Das Mundstück wurde oft aus Buchsbaum gedreht oder geschnitzt
 
 
 
Joho Fallera...
Jagdhörner...

In der Literatur wird schon sehr früh von Jagdhörnern erzählt. Ein Beispiel ist der "Roman d ´ Alixandre" aus dem 12. Jahrhundert. Im "Trésor de Vénerie" des Hardouin de Fontaines-Guérin wird von 14 unterschiedlichen Signalen berichtet. Marin Mersenne (1588-1648), ein gelehrter Pariser Paulaner-Pater, schilderte die Möglichkeit, wohlklingende Dreiklangsakkorde anzugeben, vorausgesetzt, daß ma n dazu Hörner in den Stimmungsverhältnissen zueinander passend einzurichten vermag.
Die Vorbedingungen, ein primitives Signalinstrument zu einem auch "musikalisch" verwendbaren Jagdmusikinstrument zu machen, waren damit geschaffen.
 
 
 
Die Moderne
Die neue Generation...

Schließlich kamen ganz neue, weit gewundene Jagdhörner in Mode: die schnell berühmt gewordenen Parforcehörner. Die einfache Harmonik vieler Fanfarensätze wurde durch die zwangsläufige Terzen-, Quint- und Sexten-Stimmführung des zweiten Horns festgelegt. Dennoch wußten die Bläser, wie z.B. der Marquis de Dampierre und die Hofkomponisten von Ludwig XIV. die musikalischen Möglichkeiten einfallsreich zu nutzen.
1828, 100 Jahre später, komponierte der gefeierte Opernmeister Gioacchino Rossini "Le rendez-vous de chasse" für vier Solo-Parforcehörner in D und Orchester.
Um die Jahrhundertwende 1700, tauchten in einigen Partituren schon Waldhörner auf. Dadurch begann man neben den unhandlich großen Parforcehörnern auch kleinere Typen zu bauen. So wurde ein Horn kreiert, das die kreisrunde Form behielt, aber dessen Durchmesser mit nur zweieinhalb Windungen die Hälfte des Parforcehorns aufwies. Außerdem wurde das Rohr geweitet, das Ende viel stärker konisch und es besaß einen wesentlich weiteren Schallbecher: Aus dem Jagdhorn wurde das Waldhorn. Der warme und volle Ton ließ die Möglichkeiten bereits ahnen, die in der Zukunft noch umgesetzt werden sollten.

In den achtziger Jahren des 18. Jhd.s gab es wohl in ganz Europa nur noch selten ein Orchester von Ruf, das nicht mindestens zwei Hornisten verpflichtet hatte. Durch verschiedene Aufsatzstücke ließen sich die Hörner von einem Halbton abwärts bis zu einer Quarte oder Quinte in der Stimmung vertiefen. Auf Hörnern galt es nun nicht mehr, extrem hohe oder virtuose Solopassagen fanfarenhaft herauszuschmettern, sondern vielmehr, sich mit schönen, runden und weichen Tönen der Orchesterharmonie anzupassen. Anton Hampel, ein Mitglied der Dresdner Kapelle, kam auf die Idee, dem Hornton durch das Einführen der Hand in den Schallbecher, den charakteristischen Ausdruck zu verleihen. Er veranlaßte auch den Instrumentenbauer Johann Werner dazu, die zur Veränderung des Stimmung aufzusetzenden Aufsatzbögen und Setzstücke so einzurichten, daß sie mitten in das Hornrohr eingefügt werden konnten. Damit war auch ein "Hauptzug" vorhanden, der es ermöglichte, geringe Stimmungsunterschiede durch Herausziehen oder Einschieben auszugleichen. Diese Erfindung wurde in perfektionierter Form in allen Orchestern eingeführt und machte das Waldhorn zum Inventionshorn. Hampel erfand darüberhinaus auch das Verfahren des "Stopfens", womit der Bläser in der Lage war, auch "künstliche" Töne zu erzeugen.

Die gestopften Töne waren im Vergleich zu den offen geblasenen jedoch bedeutend glanzloser. Der Wunsch, dem Waldhorn einen vollkommen chromatischen Tonvorrat zu verleihen, führte zu den unterschiedlichsten bautechnischen Ideen, doch keines der Systeme bewährte sich. Sie wurden schließlich durch Erfindung der Ventile überholt. Am 12.04.1818 hat das Königliche Preußische Patentamt Heinrich Stölzel und Friedrich Blühmel ihre Erfindung bestätigt. Über Nacht hatten sich damit die kühnsten Wunschträume aller jungen fortschrittlichen Komponisten erfüllt. Das ideal erträumte Ventilhorn allgemein anzunehmen, dauerte wider Erwarten noch eine ziemlich lange Zeit.
 

Mit dieser Möglichkeit entstanden in der Folgezeit zahlreiche Hornkonzerte und das Horn wurde zum vollwertigen Musikinstrument.
 
 
 
Ahnengalerie
Bedeutende Hornisten...
Reiche, Gottfried (1667-1734)
Sweda, Wenzel (1638-1710)
Röllig, Peter (1650-1723)
Marquis de Dampierre (1676-1756)
Hampel, Anton Joseph (ca. 1705-1771)
Maresch, Johann Anton (1719-1794)
Rudolph, Jean-Joseph (1730-1812)
Leutgeb, Ignaz (ca. 1745-1811)
Stich, Johann Wenzel, genannt Punto, Giovanni (1746-1803)
Punto, Giovanni, vorher Stich, Johann Wenzel (1746-1803)
Türrschmidt, Carl (1753-1797)
Nagel, Joseph (ca. 1750-1802)
Zwierzina, Frank (1750-1825)
Pokorny, Beate (18. Jhd.)
Lewy, Eduard Constantin (1796-1846)
Lewy, Joseph Rudolf (1802-1881)
Meifred, Emile (1791-1867)
Strauss, Franz Joseph (1822-1905)
Brain, Dennis (1921-1957)
Palsa, Johann (1754-1792)
Lebrun, Jean (1759-1809)
Belloli, Luigi (1770-1817)
Boeck, Ignaz (1754-nach 1815)
Boeck, Anton (1757-nach 1815)
Petrides, Joseph (1755-nach 1824)
Petrides, Peter (1760-nach 1824)
Baumann, Hermann ()
Damm, Peter ()
Noeth, Hans ()
Krüger, Wilhelm ()
Huth, Fritz ()
Veleba, Josef ()
Thévet, Lucien ()
Barboteu, Georges ()
Leloir, Edmond ()
Molnár, József ()
Ceccarossi, Domenico ()
Woudenberg, Adriaan van ()
Wekre, Froydis Ree ()
Lanzky-Otto, Ib ()
Fransman, Holger ()
Bujanovsky, Vitali ()
Solc, Frantisek ()
Staicu, Paul ()
Civil, Alan ()
Tuckwell, Barry ()
Hess, Max ()
Horner, Anton ()
Pottag, Max ()
Sansonse, Lorenzo ()
Jones, Mason ()
Meek, Harold ()
Farkas, Philip ()
Grieve, Alexander J. ()
Matsubara, Chiyo ()

 
 
 
Komponisten
Das Horn beschäftigt Komponisten bis heute...

Beethoven, Ludwig van (): 5. Satz seiner Pastoralsinfonie: Hirtengesang
Brahms, Johannes (1833-1897): C-Horn-Solo im Finalsatz seiner 1. Sinfonie; Horntrio  op. 40
Mozart, Leopold (): Sinfonia Pastorella in G-Dur, Corno di pastore
Mouret, Jean-Joseph (1682-1738)
Morin, Jean-Baptiste (1677-1754)
Rossini, Gioacchino (1792-1868): Le Rendez-vous de Chasse
Sperger, Johannes M. G. (1750-1812): Rondo-Finale des Concerto per il Corno ex D
Haydn, Joseph (1732-1809): Trio eines Menuetts, Es-Dur-Sextett
Mozart, Wolfgang A. (1756-1791): 12 Stücke für 2 Waldhörner, KV 487; Hornkonzerte in Es-Dur, KV 417, 447, 495; Es-Dur-Horn-Quintett KV 407; Sinfonia concertante KV 297
Todt, Johann, Christoph (2. Hälfte 18. Jhd.): Concertino für 2 Hörner und Streichorchester
Händel, Georg Friedrich (): Wassermusik (mit 2 Hörnern), Feuerwerksmusik (3 je dreifach besetzte Hornstimmen)
Bach, Johann Sebastian (): Jagdkantate, BWV 208; Brandenburgisches Konzert
Rosetti, Anton (ca. 1750-1792)
Wagner, Richard (): Siegfried: Ring der Niebelungen; Die Meistersinger von Nürnberg; Tristan und Isolde
Schubert, Franz (): Nachtgesang im Walde op. 139
Weber, Carl Maria von (1786-1826): einleitende Hornstelle in der Freischütz-Ouvertüre
Schumann, Robert (1810-1856): op. 70 für Horn und Klavier; Jagdbrevier op. 137
Strauss, Franz Joseph (1822-1905): Hornkonzert in C op. 8
Strauss, Richard (1864-1949): Till Eulenspiegel, Don Juan-Thema für 4 Hörner, Sinfonia domestica; op. 11 Konzert Nr. 1 für Horn und Orchester Es-Dur; op. 86 Konzert Nr. 2 für Horn und Orchester Es-Dur
Hindemith, Paul (1895-1963): Sonate für vier Hörner
Britten, Benjamin (1913-1976):Serenade op. 31 für Tenor, Horn und Streichorchester
Graas, J. (1924-)
Schuller, Gunther (1925-)
Krol, Bernhard (1920-): Corno-Concerto
 
 
 
 
Horn-Schmieden
Hornschmieden...

Es gibt heute zahlreiche Waldhorn-Marken. Jeder Hersteller benutzt sein eigenes Material und Techniken des Zusammenbaus. Hier sind einige "Hornschmieden" aufgelistet:

Alexander Amati-Kraslice Benicchio Besson Bohland & Fuchs Boosey & Hawkes Boerner Conn Couesnon Courtois Desidera Geyer Haas Holton Hueller Huettl Jiracek King Klein Knopf Kruspe Kujer Kehmann Lidl Melchior Monke Moennich Olds Orsi Paxman Pfeiffer Prinz Rampone & Cazzani Raoux Reynolds Sansone Scherzer Schmidt Schoepf Selmer Thibouville-Lamy Uhlmann Wunderlich Yamaha York

Quelle: Janetzky, K. & Brüchle, B. (1977). Das Horn. Mainz, London, New York, Tokyo: Schott.